Eva Leitolf. München. Uta, aus der Serie Tanzlokalportraits. 09.12.1989.
09.12.1989. In meinem Studiengang bei Angela Neuke in Essen haben sich zwar viele Kommilitonen regelrecht auf dieses Thema und dann auch auf die Wiedervereinigung gestürzt, mir war das damals fotografisch aber kein Anliegen. Vielleicht kommen wir ja ein andermal zusammen. … ja, es war eine ganz bewusste Verweigerung, an diesem Prozess fotografisch teilzunehmen. Viele Kommilitonen kamen – etwas später und verkürzt gesagt – mit den immer gleichen denunziatorischen Bildern von Bananen und Pornos kaufenden Ostdeutschen in die Besprechungen. Ich fand diese Art des Fotografierens ausbeutend und uninteressant. Im Zuge meines eigenen – damals noch recht unpolitischen – hedonistischen Interesses habe ich zu der Zeit in einem in München damals sehr angesagten Club mit dem Namen ‚Größenwahn‘ fotografiert, in dem ich auch hinter der Bar gearbeitet habe. Von meinem jetzigen Standpunkt aus frage ich mich öfter, wie ich die Wende so weit ausblenden konnte. Es gibt keine ‚Geschichten‘ zu den Bildern, an konkrete Gespräche kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Die Bilder haben für mich in der Rückschau sehr viel mit dem Lebensgefühl ­damals (im Westen, in München) zu tun, den dekontextualisierten und neu ­zusammengebrachten Zeichen und Symbolen, den entpolitisierten Oberflächen.
TitelMünchen, Uta, aus der Serie Tanzlokalportraits
Künstler*inEva Leitolf
SammlungEast for the record
Entstehungszeit1989
Beschreibung09.12.1989. In meinem Studiengang bei Angela Neuke in Essen haben sich zwar viele Kommilitonen regelrecht auf dieses Thema und dann auch auf die Wiedervereinigung gestürzt, mir war das damals fotografisch aber kein Anliegen. Vielleicht kommen wir ja ein andermal zusammen. … ja, es war eine ganz bewusste Verweigerung, an diesem Prozess fotografisch teilzunehmen. Viele Kommilitonen kamen – etwas später und verkürzt gesagt – mit den immer gleichen denunziatorischen Bildern von Bananen und Pornos kaufenden Ostdeutschen in die Besprechungen. Ich fand diese Art des Fotografierens ausbeutend und uninteressant. Im Zuge meines eigenen – damals noch recht unpolitischen – hedonistischen Interesses habe ich zu der Zeit in einem in München damals sehr angesagten Club mit dem Namen ‚Größenwahn‘ fotografiert, in dem ich auch hinter der Bar gearbeitet habe. Von meinem jetzigen Standpunkt aus frage ich mich öfter, wie ich die Wende so weit ausblenden konnte. Es gibt keine ‚Geschichten‘ zu den Bildern, an konkrete Gespräche kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Die Bilder haben für mich in der Rückschau sehr viel mit dem Lebensgefühl ­damals (im Westen, in München) zu tun, den dekontextualisierten und neu ­zusammengebrachten Zeichen und Symbolen, den entpolitisierten Oberflächen.