Wenzel_Freyburg_Unstrut_Weinfest zum 40 Jahrestag der DDR_001_mg
07.10.1989. Die Häuser der kleinen Stadt sind grau. Farbtöne und Umrisse alles Sichtbaren sind von diesem Grau gedämpft. Die Straßen leergeweht, dass man annehmen könnte, das Winzerfest findet woanders statt. Die Stadt ist wie eine leere Bühne, in der nur da und dort ein irdisches Paradies verheißendes Objekt steht. Auf diesen doppelmannshohen Pappmachénachbildungen von Weinflaschen feixen drei Teufelchen. Sie vertreiben die Schwermut nicht, alles quillt über vor Leere, alles ist voll Bedarf. Vor der Tribüne auf dem Marktplatz sitzen Vereinzelte, die obligatorische Festrede ist bereits gehalten. Da und dort trinkt einer seinen Wein aus der Flasche. Die Teufelchen feixen. Und noch ist kein Gedanke, dass ein hier ansässiges Unternehmen einige Jahre später erfolgreich gesamtdeutsch Sektlaune verbreiten wird. Die Stufen der Ehrenhalle Friedrich Ludwig Jahn sind belegt mit Schläfern. Auf der Festwiese noch mehr Hinfall, offenbar keine Beglückten. Unter der demokratischen Decke des Schlafes verwandelt sich das Bild in ein friedliches Stillleben, ein Idealzustand stummer Gleichheit. Da heißt es Abschied nehmen von Vielem. Auf der Rückfahrt nach Leipzig, dem kommenden Montag entgegen, müssen wir an ein Bild von Pieter Brueghel dem Älteren denken. Zu Hause angekommen, schlagen wir in einem englischsprachigen Bildband nach. Besinnungslos liegen drei Männer hingestreckt und träumen vom Schlaraffenland. Das Bild heißt „Fool’s Paradise“. Wir übersetzen es uns mit ‚Narren­paradies‘ oder auch ‚Wolkenkuckucksheim‘ und Fool’s Gold bedeutet Katzengold.
TitelFreyburg / Unstrut. Weinfest zum 40. Jahrestag der DDR
Künstler*inMarion Wenzel
SammlungEast for the record
Entstehungszeit1989
Beschreibung07.10.1989. Die Häuser der kleinen Stadt sind grau. Farbtöne und Umrisse alles Sichtbaren sind von diesem Grau gedämpft. Die Straßen leergeweht, dass man annehmen könnte, das Winzerfest findet woanders statt. Die Stadt ist wie eine leere Bühne, in der nur da und dort ein irdisches Paradies verheißendes Objekt steht. Auf diesen doppelmannshohen Pappmachénachbildungen von Weinflaschen feixen drei Teufelchen. Sie vertreiben die Schwermut nicht, alles quillt über vor Leere, alles ist voll Bedarf. Vor der Tribüne auf dem Marktplatz sitzen Vereinzelte, die obligatorische Festrede ist bereits gehalten. Da und dort trinkt einer seinen Wein aus der Flasche. Die Teufelchen feixen. Und noch ist kein Gedanke, dass ein hier ansässiges Unternehmen einige Jahre später erfolgreich gesamtdeutsch Sektlaune verbreiten wird. Die Stufen der Ehrenhalle Friedrich Ludwig Jahn sind belegt mit Schläfern. Auf der Festwiese noch mehr Hinfall, offenbar keine Beglückten. Unter der demokratischen Decke des Schlafes verwandelt sich das Bild in ein friedliches Stillleben, ein Idealzustand stummer Gleichheit. Da heißt es Abschied nehmen von Vielem. Auf der Rückfahrt nach Leipzig, dem kommenden Montag entgegen, müssen wir an ein Bild von Pieter Brueghel dem Älteren denken. Zu Hause angekommen, schlagen wir in einem englischsprachigen Bildband nach. Besinnungslos liegen drei Männer hingestreckt und träumen vom Schlaraffenland. Das Bild heißt „Fool’s Paradise“. Wir übersetzen es uns mit ‚Narren­paradies‘ oder auch ‚Wolkenkuckucksheim‘ und Fool’s Gold bedeutet Katzengold.